Digitalisierung

Digitalisierung beschreibt einen bereits seit vielen Jahren existierenden Prozess, der insbesondere durch die technische Weiterentwicklung des letzten Jahrzehnts an Dynamik deutlich gewonnen hat und auch in Schule spürbar angekommen ist. Der digitale Wandel ist Teil unserer Lebenswirklichkeit. Wir befinden uns in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, der unsere Art zu kommunizieren, zu lernen, zu wirtschaften und zu arbeiten verändert.

Bildung bleibt ein Gut an sich, bleibt zentrale Ressource, die gesellschaftliche Teilhabe und sozioökonomischen Aufstieg/Erfolg ermöglicht. Unser Anspruch ist, Digitalisierung so zu gestalten, dass Talente und Potenziale individuell gefördert werden und zur Entfaltung kommen.

In den folgenden Ausführungen zu, unserer Wahrnehmung nach, zentralen Begriffen möchten wir Ihnen dieses schulische Handlungsfeld und die Bedeutung für den Unterricht und die pädagogische Arbeit am Marianne-Weber-Gymnasium erläutern.

 

Mehrwert

Die Nutzung digitaler Technik im Unterricht kann deutlich über das reine Ersetzen bekannter Werkzeuge hinausgehen. Die Bearbeitung von Rechenaufgaben und Schreibmaschinentätigkeiten ist schon lange an diese technischen Unterstützungsmöglichkeiten abgegeben worden. Die neuen Chancen und Möglichkeiten gehen aber weit darüber hinaus. In der inhaltlichen Diskussion fällt in diesem Zusammenhang des Öfteren der Begriff des Mehrwerts. Die Arbeit in und mit digitalen Unterrichtsformaten müsse, so die weit verbreitete Meinung, sofort einen größeren Lernertrag, als er in tradierten Formen zu erwarten wäre, gewährleisten. Unabhängig davon, wie diese Überlegung empirisch zu bestätigen wäre, greift sie auch dahingehend zu kurz, dass sie von der Annahme ausgeht, es gäbe nur ein entweder oder. Zudem relativiert sie die Notwendigkeit des angeleiteten, umfassenden und kritischen Medienkompetenzerwerbs und die existierenden neuen Möglichkeiten (vgl. SAMR-Modell)

 

Hattie-Studie

Oft wird auf die bedeutsamen und stark rezipierten Untersuchungen und Erkenntnisse Hatties in diesem Zusammenhang verwiesen (z.B.: Visual Learning von 2009 resp. 2017). Die (alleinige) Digitalisierung von Unterrichtsprozessen hat eher einen unterdurchschnittlichen Erfolgswert (außer individuelle zu bearbeitende Förderangebote). Bedeutsam ist die positive Beziehung zwischen Lehrkraft und Schüler*in und der Aktivierungsgrad der unterrichteten Personen. Insofern gilt es, die neuen Möglichkeiten zu einer stärkeren, zielgerichteten Aktivierung der Schülerinnen und Schüler in einer weiter positiv zu gestaltenden menschlichen Bindung zwischen Lehrkraft und Schüler*in zu nutzen.

 

SAMR—Modell

 

Das SAMR-Modell ist ein im Zusammenhang von Digitalisierung und Unterrichtsentwicklung oft angeführtes Instrument, die darin enthaltenen Chancen und die Chronologie zu illustrieren.

Anfangs werden analoge Arbeitsprozesse durch digitale ersetzt bzw. ergänzt. Das Schreiben auf dem PC und die Lektüre digitalisierter Texte sind hier beispielhaft zu nennen. Die Nutzung ergänzender Werkzeuge wie die Einbindung zusätzlicher Visualisierungen oder die Nutzung von Rechtschreibprüfung etc. stellen hier eine Erweiterung im Sinne einer Verbesserung dar. Der aufbauende Entwicklungssprung bei der Neugestaltung von Aufgaben beinhaltet die Unterstützung durch digitale Instrumente zur erfolgreichen Bearbeitung der Aufgaben. So kann die Verwendung von Email-Programmen (auch im Sinne einer Zusammenarbeit) oder die Einbindung von selbst erstellten Diagrammen hier einen intensiven und umfassenden Kompetenzerwerb initiieren. Höchste Stufe der Auseinandersetzung nach dem Verständnis von Puentedura ist die Neuformulierung von Aufgaben, die ohne die Nutzung aktueller Technologien nicht bearbeitbar wären. Die Verzahnung von Text, Video (z.B. digitales Storytelling) etc. erläutert komplexe Zusammenhänge intensiv und differenziert und geht deutlich über die Reichweite traditioneller Powerpointpräsentationen hinaus. (Mit freundlicher Erlaubnis von Adrian Wilke, Oktober 2019)

 

Lehr-/Lernplattform

Die Einführung einer Lehr-/Lernplattform ermöglicht den Zugriff auf eine Arbeits- und Kommunikationsplattform in einem webbasierten und (Daten-)geschützten Umfeld für alle Mitglieder der Schulgemeinschaft. So ist ein Zugriff auf alle schulrelevanten Informationen auch außerhalb der Schule garantiert und ermöglicht so z.B. die Nutzung von digitalen Unterrichtsmaterialien und Arbeitsergebnissen von Zuhause aus. Die dafür notwendige Cloudlösung ermöglicht eigene Bereiche und den gesicherten Austausch mit anderen Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern. Im MWG bereiten wir aktuell die zeitnahe Einführung einer Lehr-/Lern- und Kommunikationsplattform vor.

 

Schulbücher (analoge Medien)

Weiterhin wird es Schulbücher und auch Arbeitsmaterialien in klassischer Form geben. Es gibt bereits erste digitale Unterrichtswerke bzw. klassische in digitalisierter Form, deren Nutzbarkeit wir durch unterrichtliche Verwendung und fachlichen Austausch erörtern. Gerade durch die Wiedereinführung von G9 und den neu erstellten bzw. noch zu erstellenden Lehrwerken wird es hier weitere Angebote geben, die nach entsprechender Prüfung klassische Materialien ergänzen oder ablösen werden.

 

Medienerziehung

Technische Entwicklungssprünge haben die, den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Kommunikation und der Informationsgewinnung drastisch erhöht. Mit diesen Chancen gehen auch deutliche Herausforderungen einher. Informationsquellen müssen noch intensiver hinsichtlich Validität und Güte hinterfragt werden, der recht einfache Zugriff auf weiteres Wissen ersetzt nicht die grundlegend zu erwerbenden Sach- und Fachkompetenzen, vielmehr erfordert er gerade diese. Der Umgang in den sozialen Medien ist, auch wenn die private Nutzung insbesondere in den erzieherischen Bereich der Eltern und weniger in den der Schule fällt, ein Betätigungsfeld im Rahmen des erzieherischen Auftrages von Schule, das im vertrauensvollen gemeinsamen Wirken von großer Bedeutsamkeit ist. In geeigneten Einheiten bestimmter Fachunterrichtsinhalte, im Rahmen der weiteren (Medien-)pädagogischen Arbeit werden hier in Verbindung mit dem schulischen Medienberatungsteam, dem Schulsozialarbeiter und weiteren externen Anbietern zentrale Kompetenzen erworben.

Dazu gehört auch die Unterstützung beim Erlernen eines rechtssicheren Umgangs mit den neuen Medien, insbesondere der Erwerb von Kenntnisse in Datenschutz, Persönlichkeitsrechten und des sicheren Bewegens im Netz sind altersgemäß anzubahnen.

 

MDM-System

Ein Mobil-Device-Managementsystem ermöglicht die Einbindung, Verwaltung, Wartung und Aktualisierung von mobilen Geräten, z.B. mit den für den Unterricht relevanten Programmen und Apps. Diese Prozesse werden über die Einwahl des Gerätes in das Schul-WLAN aktiviert. Im Rahmen des Schulnetzes ist nur die (W-LAN-basierte) Nutzung des durch schulische Mitarbeiter*innen vorkonfigurierten Schüler*innenprofils möglich, wodurch die Nutzung von inhaltlichen Nebenschauplätzen vermieden und die Sicherheit erhöht wird.

 

Mobile Endgeräte:

Um dem Anspruch einer sukzessiven Erweiterung des „Unterrichts mit digitalen Mitteln“ gerecht zu werden, hat das Marianne-Weber-Gymnasium bereits einige Anschaffungen im Bereich der digitalen Medien vorgenommen. Neben anderen Anschaffungen wurden bereits 70 Endgeräte (iPads) zur Nutzung für Schülerinnen und Schülern angeschafft, elf fest installierte Präsentationsmöglichkeiten (inkl. Apple TV und Stative für iPads) in den Räumen A17-19; A27-29; A16a; A16, C17, B17 und A23 in Form von Fernsehern installiert und weitere zehn iPads (inklusive Apple Pencil) den Räumen mit Fernseher zugeordnet. Die Festlegung auf ein bestimmtes System ist Voraussetzung für ein abgesichertes Agieren im Netzwerk, ermöglicht leichter das Arbeiten in kollaborativen Arrangements und verhindert Benachteiligungen in den Lernvoraussetzungen, da die zu installierenden Programme gleich anzuwenden sind. Insbesondere das reichhaltigere Angebot im Bereich der pädagogischen Apps und die große Verlässlichkeit des Systems waren ausschlaggebend für unsere Entscheidung, die in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Schulträgers so umgesetzt werden konnte. Sollte jede Schülerin oder jeder Schüler diese Möglichkeit (auch Zuhause und umfassend) nutzen wollen und sollen, werden Modelle wie das sogenannte „bring your own divice“ relevant, nach dem jede Schülerin und jeder Schüler ein eigenes, selbst angeschafftes Gerät mit in die Schule bringt. Das System am MWG ist bereits so ausgelegt, dass bestimmte Geräte, die den entsprechenden Anforderungen entsprechen, in das Netz eingepflegt werden können und eine eigene Oberfläche erhalten, die die private Nutzung mit unterrichtsfernen Aktivitäten verhindert.

 

 

Medienkompetenzrahmen:

Der Medienkompetenzrahmen NRW besteht aus 6 Kompetenzbereichen mit insgesamt 24 Teilkompetenzen (vgl. https://medienkompetenzrahmen.nrw/fileadmin/pdf/LVR_ZMB_MKR_Rahmen_A4_2019_06_Final.pdf). Diese 24 Teilkompetenzen des Medienkompetenzrahmens NRW werden in unsere schulinternen Lehrpläne integriert. Damit wird eine systematische, fächerübergreifende Vermittlung von Medienkompetenzen ermöglicht.

 

Ansprechpartner/innen:

Hanne Preiß: preiss(at)mwg-lemgo.de

Franziska Reichelt: reichelt(at)mwg-lemgo.de

Sekretariat: mwg(at)schulen-lemgo.de

 

Pilotklasse(n)

Im Schuljahr 2018/19 wurde erstmals ein vermehrter Einsatz in einer Klasse (7.Klasse) erprobt. Nach einer anschließenden Evaluation konnten Stolpersteine ausfindig gemacht werden. In einer zweiten Testphase eines vermehrten Einsatzes zu Beginn des Schuljahres 2019/20 wurde erneut eine 7. Klasse in unterschiedlichen Unterrichtssituationen mit iPads unterrichtet. Begleitet wird diese Phase von Eltern, Schülerinnen und Schülern und Kolleginnen und Kollegen. Eine dritte Testphase wird voraussichtlich im Februar durchgeführt mit dem Ziel, konkrete Entwicklungsschritte beim vermehrten Einsatz digitaler Formate im Unterricht anzubahnen und zeitnah zu realisieren. Durch einen fest verankerten vermehrten Einsatz der Geräte können die Kompetenzen, die in der „digitalen Welt“ immer mehr an Bedeutung gewinnen, umfassender vermittelt werden.

 

Apps:

Die Auswahl an Apps ist immens. Umso so schwieriger ist die Auswahl an geeigneten Apps für den Unterricht. Das Kollegium des MWGs hat einige Apps gefunden, die gewinnbringend in unterschiedlichen Fächern eingesetzt bzw. genutzt werden können. Dabei handelt es sich sowohl um fächerübergreifende Apps (z.B. stopmotion, XMind, Kahoot!, Anton, Padlet) oder fachspezifische Apps (z.B GeoGebra in Mathematik, Camden Town in Englisch, Phase 6 in den Fremdsprachen oder Sparkvue in den Naturwissenschaften). Ein Schulaccount zum Erwerben von kostenpflichtigen Apps, Schulbüchern etc. wurde eingerichtet.


 

Übergänge:

Medienkompetenz zu vermitteln ist nicht nur die Aufgabe der weiterführenden Schulen. Schon in der Grundschule werden den Schülerinnen und Schülern Werkzeuge an die Hand gegeben, die sie zur reflektierten Nutzung digitaler Medien befähigt. Um auf die bereits bestehenden Kompetenzen aufzubauen steht das MWG im engen Dialog sowohl mit der benachbarten Grundschule als auch mit anderen Grundschulen. Es werden Konzepte entwickelt, die einen möglichst nahtlosen Anschluss beim Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium als Ziel haben.

 

Computerräume:

Das MWG verfügt über zwei Computerräume (B 11/B 12), die jeweils mit 15 festen Arbeitsplätzen ausgestattet sind. D.h. es können jeweils 30 Schülerinnen und Schüler (zu zweit an einem Gerät) in den Computerräumen arbeiten. Diese Räume besitzen zusätzlich eine Präsentationsmöglichkeit i.F. eines Beamers.

 

Flipped Classroom:

„Flipped Classroom“ heißt ein didaktisches Konzept, das Lerninhalte vor dem Unterricht in aufbereiteter Form – insbesondere als Video – zur Verfügung stellt und die gemeinsame Zeit im Klassenraum für Praxis und Anwendung nutzt. Vergleichbar mit der Erledigung vorbereitenden Hausaufgaben für den Unterricht haben auch wir bereits damit einzelne Erfahrungen gesammelt. Ziel dabei ist, die interaktive Zusammenarbeit im Klassenraum v.a. zur Vertiefung und Übung zu nutzen und die klassischen Erklährphasen stärker aus dem Unterricht in das Selbststudium zu verlagern. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich nach einer selbstgesteuerte Aneignungsphase dort mit den Inhalten auseinander, bei denen der Lehrer als Lehrender anwesend ist und werden von ihm im Lernprozess begleitet. 

Diese Art der Vorbereitung auf den Unterricht spielt gerade deswegen eine große Rolle, da Schülerinnen und Schüler Oberflächen wie z.B. youtube selbstverständlich nutzen, um sich Wissen anzueignen oder Lerninhalte nachzuarbeiten.